KRITIK AN SUV

Neuer Dienstwagen des Prenzlauer Bürgermeisters wirft Fragen auf

Die meisten Bürger dürften Hendrik Sommer das Auto gönnen. Doch es gibt auch kritische Stimmen, wie dieser Brief zeigt. Der Politiker nimmt Stellung.
Claudia Marsal Claudia Marsal
Hinter so einem Lenkrad sitzt der Prenzlauer Bürgermeister seit kurzem.
Hinter so einem Lenkrad sitzt der Prenzlauer Bürgermeister seit kurzem. Hersteller
Prenzlau.

Als Bürgermeister muss man darauf gefasst sein, dass nichts im Verborgenen bleibt. Daher war es vermutlich auch nur eine Frage der Zeit, bis sich in Prenzlau herumgesprochen hatte, dass das Stadtoberhaupt ein neues Auto fährt. Den meisten Bürgern dürfte das egal sein. Nicht so Johanna Winkler, sie machte die Sache öffentlich. Die Prenzlauerin sandte einen Brief an den Uckermark Kurier, der mit „Größenwahn im Rathaus” übertitelt war. Darin beschreibt die Leserin ihren täglichen Spaziergang mit dem Ehemann, bei welchem diesem aufgefallen sei, dass Hendrik Sommer eine neue Dienstkarosse hat.

„Mein erster Gedanke war 'Je größer das Auto des Mannes, umso kleiner... sein Ego”, schrieb sie an den Uckermark Kurier. Weiter heißt es: „Spaß bei Seite, aber geht es nicht noch größer und protziger? Während man uns kleinen Bürgern und braven Steuerzahlern durch Klima-Greta und Bundesregierung Demut in Sachen Mobilität aufzwingt, scheint man im Prenzlauer Rathaus diesen Klimaknall wohl überhört zu haben.” Wer habe überhaupt diese wohl nicht kostengünstige Anschaffung genehmigt, will Johanna Winkler weiter wissen. Nach Aussagen ihres Gatten sei das wohl kein Basismodell, sondern ein deutsches Fahrzeug mit exklusiver Ausstattung.

Goldesel entdeckt?

„Wir mit unserem asiatischen Klein-SUV wagen uns wegen des eier- und farbbeutelwerfenden Mobs kaum noch in die Hauptstadt. Unser Kämmerer spricht von einer leeren Stadtkasse und Projekten, die aus finanziellen Gründen nicht verwirklicht werden können, und dann kommt plötzlich so ein Schiff ins Rathaus. Vielleicht hat man auch in der Vorweihnachtszeit den Stall mit dem Goldesel gefunden. Hier wäre doch etwas Erklärungsbedarf, um nicht unglaubwürdig zu werden.” Bürgermeister Hendrik Sommer, dem die Redaktion diese Zuschrift vorlegte, reagierte etwas ungehalten auf die Anschuldigungen und stand umgehend Rede und Antwort.

Leasingvertrag ausgelaufen

Er bestätigte, dass er jetzt einen VW Tiguan, Modell: BW236T, 2 l Hubraum, Diesel, 150 PS fahre. Die monatliche Leasingrate belaufe sich auf 373 Euro. Die Anschaffung sei nötig gewesen, weil der vorhergehende Leasingvertrag ausgelaufen war. Weil es sich hierbei um ein Geschäft der laufenden Verwaltung gehandelt habe, seien die Beigeordneten in Abstimmung mit dem Bürgermeister involviert gewesen. Der Wagen sei auch zur privaten Nutzung zugelassen. „Es wird die 1-Prozent-Regelung zur Berechnung des Privatnutzungsanteiles zuzüglich Fahrkilometer zwischen Wohnung und Arbeitsstätte angewendet. Das ist mit dem Finanzamt abgestimmt.” Weitere Behördenmitarbeiter hätten keine neuen Dienstwagen bekommen, hieß es. Der Kommunalpolitiker erklärte weiter, dass der Leasingvertrag eine Laufzeit von vier Jahren habe. Bis dahin, so hofft Sommer, werde die technische Entwicklung soweit fortgeschritten sein, dass E-Mobilität oder andere alternative Antriebsformen auch mit wirtschaftlichem Nutzen im Fuhrpark der Kreisstadt Einzug halten können. Derzeit befinden sich unter den circa 45 000 im Landkreis zugelassenen Fahrzeugen rund hundert E-Mobile. Die E-Fahrzeuge mit der momentanen Reichweite wären interessant für Fahrten in die Ortsteile, aber noch nicht für längere Dienstfahrten, beispielsweise bis nach Potsdam. Ein zusätzliches Fahrzeug anzuschaffen, würde die Stadtkasse und so letztendlich die Steuerzahler ungebührend belasten. Sommers Amtsvorgänger, so zeigt ein Blick ins Redaktionsarchiv, waren übrigens mit einem Audi, einem Mercedes beziehungsweise einem BMW unterwegs...

 

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Kommentare (3)

Dass man selbst als Fahrer eines kleinen asiatischen "SUV" , (der nur wegen einer etwas höheren Bauform auffällt), Opfer einer groß angelegten SUV-Hetze in Deutschland werden kann, verdanken wir leider auch der Mentalität in diesem Land, wo viele Menschen sehr schnell auf die Propaganda hereinfallen, wenn dadurch eine andere Gruppe Menschen als Schuldige verunglimpft wird.
Ich behaupte, dass 85% der in Deutschland als SUV angesehenen Fahrzeuge keine SUV im eigentlichen Sinne sind, denn sie wiegen weder mehr als 1,8 t noch haben sie eine größere Motorisierung als ein normaler 4-Zylinder Mittelklasse-PKW. Das betrifft auch den neuen Dienstwagen. Wäre es ein Passat vom gleichen Hersteller, wäre wohl kein öffentlicher Aufschrei gekommen, obwohl sich dieser weder in Motorisierung noch Gewicht wesentlich unterscheidet. Die massive öffentliche Hetze gegen Fahrzeuge höherer Bauart, unabhängig von deren wirklichen technischen Eigenschaften wird leider mit allerhöchster Zustimmung gebilligt , wogegen andere Äußerungen sofort als Hetze oder Hass gegenüber Minderheiten angeprangert und verfolgt wird.

Ich verstehe das Problem nicht! Sind doch keine zwei Audi A8. Ach nein ich meinte VW Tiguan.

Kleinlicher Sozialneid unter der Gürtelinie. Einen BM wie Sommer zu haben ist für jede Gemeinde ein Gewinn, er hat Prenzlau wieder zu einer geachteten Stadt mit Vorbildwirkung gemacht und da kommt jemand daher und kläfft ihn an weil er ein anständiges Auto fährt? Der BM von Schwedt hat einen fetten BMW mit CHAUFFEUR, da regt sich kein Mensch auf aber in Pz müssen irgendwelche Kleinbürger den Aufstand proben? Ganz ehrlich, ich hab nie verstanden was "fremdschämen", für die Wadenbeisser schäme ich mich. @ Herr Sommer, lassen Sie sich nicht ärgern, die meisten Prenzlauer stehen hinter und zu Ihnen, wir sind stolz auf sie und wenn es nach mir ginge müßten Meckerköppe wie die AsiaSUV Fahrerin sie in einer Sänfte rumtragen;)