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Für wen lohnen sich Diesel-Autos noch?

Spätestens seit dem Dieselskandal steht der Selbstzünder unter Druck. Wer sollte überhaupt noch ein Diesel-Auto kaufen?
dpa
Günstiger Kraftstoff und eine hohe Reichweite pro Tankfüllung: Das sind zwei Vorteile von Diesel-Fahrzeugen.
Günstiger Kraftstoff und eine hohe Reichweite pro Tankfüllung: Das sind zwei Vorteile von Diesel-Fahrzeugen. Christin Klose
Neubrandenburg.

Der Diesel steht am Pranger. Verantwortlich dafür sind nicht zuletzt die Autokonzerne selbst: Sie haben ihre Autos in der Theorie sauberer erscheinen lassen, als sie es im Alltag tatsächlich waren. Mittlerweile aber hat die Industrie reagiert. Dieselautos nach Euro-6d-Norm stoßen so wenig Schadstoffe aus wie noch kein Diesel zuvor.

Ist der Selbstzünder damit aber rehabilitiert? Und wie steht es um die zukünftige Wirtschaftlichkeit, nachdem die Bundesregierung gerade erst ein Maßnahmenpaket zum Klimaschutz verabschiedet hat?

 

Bessere Umweltverträglichkeit neuerer Selbstzünder

„Mit einem Diesel der neuesten Technik, nach Euro 6d-Norm, kann man sich auch unter dem Gesichtspunkt einer besseren Umweltverträglichkeit auf die Straße trauen“, sagt Professor Manfred Fischedick. Das beste, weil schadstoffärmste Auto dieser Welt aber sei selbst der modernste Diesel deshalb noch lange nicht.

„Wer das will, muss ein Erdgas- oder ein Elektroauto kaufen. Oder, anders formuliert: Der Diesel reicht zwar, um in die Stadt zu fahren, aber nicht dafür, wirklich umweltfreundlich unterwegs zu sein“, so der Energie- und Klimaforscher beim Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt und Energie.

Constantin Hack vom Auto Club Europa (ACE) sieht das ähnlich: „Die gesundheitsschädlichen Aspekte dürfen keinesfalls außen vor bleiben. Die hohen Stickoxid-Emissionen – insbesondere bei älteren Modellen – sind das wohl größte Problem des Diesels.“

Tägliches Nutzungsszenario entscheidend

Andere sehen ganz pragmatische Gründe dafür, dass der Diesel in bestimmten Bereichen noch länger das Mittel der Wahl sein dürfte. „Der potenzielle Auto-Käufer muss sich immer die Frage stellen, ob es unter seinen Anforderungen ein Szenario gibt, bei dem er mit einem Elektro-Auto nicht zurechtkommt“, so Josef Reitberger, Chefredakteur des Technik-Magazins „Chip“ sowie des Elektromobilität-Portals „EFahrer.com“. „Wenn ich jeden Tag um die 600 Kilometer fahren muss, werde ich mir ein Elektroauto, das zweimal aufgeladen werden muss und damit auch eine genaue Streckenplanung verlangt, nicht antun“. Die Frage sei also weniger, wie viele Kilometer man im Jahr fahre, sondern wie oft zu viele Kilometer pro Tag anfallen können, so Reitberger.

Auch wirtschaftliche Gründe könnten (noch) für den Diesel sprechen. „Generell wirkt sich der Preisvorteil eines Diesels gegenüber einem Benziner eher bei großvolumigen Fahrzeugen aus sowie für Vielfahrer, in der Regel ab 20.000 Kilometern pro Jahr“, sagt Hack. „Denn Diesel verbrauchen etwa 15 bis 20 Prozent weniger Kraftstoff.“ Dies liege an der größeren Effizienz des Dieselmotors sowie an der größeren Energiedichte von Diesel, so der ACE-Autoexperte.

 

Ab wie vielen Kilometern im Jahr lohnt sich ein Diesel?

Die Frage, ob sich ein Diesel wirklich noch rechne, sei insgesamt aber komplizierter geworden, gibt Fischedick zu bedenken. Früher sei man meist von einem Wert um die 15.000 Kilometern ausgegangen, ab dem sich ein Diesel gegenüber etwa einem vergleichbaren Benziner rechne und der höhere Anschaffungspreis und die höheren Steuern durch den geringeren Verbrauch beziehungsweise Spritpreis kompensiert werden. Heute sehe das anders aus. Mancher Pkw komme demnach nun schon ab 12.000 Kilometer in die Wirtschaftlichkeit. „Kleinere Fahrzeuge machen dagegen häufig erst bei 20.000 wirtschaftlich Sinn.“

Rechenbeispiele, die bald aber Makulatur sein könnten. Rücken gemäß der Pläne der Bundesregierung Diesel- und Benzinpreis tatsächlich immer näher aneinander heran, könne sich die Amortisationszeit eines Diesels deutlich weiter nach hinten verschieben, so der Professor.

 

Das E-Auto als Alternative?

„Wer über den Kauf eines Neuwagens nachdenkt, für den gibt es bereits heute vielfältige Alternativen zum reinen Verbrennungsmotor“, ergänzt Hack. Alternativen, die aber durchaus weiterhin ihre Tücken haben.

Damit Elektro-Autos auch für echte Langstreckenfahrer eine Alternative zum Diesel werden, müsse aber nicht nur die Reichweite vergrößert werden, sondern die Streckenplanung im Auto dynamischer, intelligenter und zuverlässiger werden, so Reitberger.

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Kommentare (6)

... E-Auto? Für Kurzstreckler (z.B. DHL-Elektro-Fahrzeuge in Köln und Umgebung). Für Schönwetter-Fahrer. Für Klimaängstliche. Nachteil des E-Auto: bei Schlechtwetter oder kalte Jahreszeiten geht der Stromverbrauch in die Höhe (neben Fahrleistung kommt die Heizleistung hinzu), was mit Mehrkosten und mehr Zeitaufwand verbunden ist. Da bald deutscher Atom- und Kohlestrom wegfallen, werden deutsche E-Auto-Besitzer ausländischen Atom- und Kohlestrom aufladen. Wer weitestgehend ein Sommer-Spielzeug und Zweit- oder Drittwagen braucht, könnte sich ein E-Auto zulegen. Den Verkehrsinfarkt werden die dazukommenden E-Autos nicht aufhalten.

Dem Kommentar gibt es kaum etwas hinzuzufügen.
Als täglicher Pendler von UM nach B ist bisher kein E-Auto als Alternative verfügbar oder wirtschaftlich vertretbar, zumal keine Lademöglichkeit im 5 km-Umkreis zum Arbeitsplatz vorhanden ist.
Selbst im Sommer sind die km-Angaben nach Norm "xyz" nur Augenwischerei, denn auch die Klimaanlage gehört im Sommer zur Fahrsicherheit, vom Winterbetrieb ganz zu schweigen, denn dann sinkt die Reichweite um 30 - 50 %. Diese sogenannte Norm, nach der die Hersteller der E-Autos die km-Reichweite berechnen dürfen ist aus meiner Sicht schon fast als betrügerisch zu bezeichnen, ähnlich wie bei gefälschten den Abgaswerten.

Ich würde das E-Auto nicht per se verteufeln, aber es stimmt schon, daß Preis und Infrastruktur (noch) nicht stimmen.
Andere Länder, in denen das E-Auto besser läuft, Norwegen, Island,...) haben ganz andere Voraussetzungen. Günstiger, nicht fossiler Strom und hohe staatliche Anreize.
Ich denke das E-Auto hat eine Berechtigung, in den Nischen wie in den obigen Kommentaren bereits genannt, ist aber in vielen Staaten nicht DAS Gefährt der Zukunft.
Hier sehe ich eindeutig die Brennstoffzelle...
Dies wird aber ganz sicher noch zwei Dekaden dauern.
Nichtsdestotrotz sollte man beginnen, endlich den ÖPVN so auszubauen, daß er auch in ländlichen Regionen alltagstauglich wird.
Und die vielen kleinen Stellschrauben die es noch gibt. Tempolimit auf der Autobahn, höhere Besteuerung von dreistelligen PS Motoren usw.

... kommt man nicht weit. Was vor Jahren noch richtig war, kann doch jetzt nicht plötzlich falsch sein. Bund Länder und Gemeinden setzen auf Dieselfahrzeuge weil der Diesel effektiver ist. Das kann niemand bestreiten. Eine höhere Besteuerung betrifft wieder nur den Bürger.
Aber so denken manche und meinen auf dem richtigen Weg zu sein. Solange 14 Kreuzfahrtschiffe mehr Feinstaub erzeugen dürfen als 740 Mill. Kraftfahrzeuge ist für mich die Welt noch in Ordnung. Ich kann mich nicht Erinnern, das die Stadt Hamburg sp einer Dreckschleuder die Einfahrt verwehrt hat, aber gleichzeitig Fahrverbot für die Max-Brauer Str. angeordnet hat. Nur 500 Meter weiter liegen die Kreuzfahrtschiffe.
Noch Fragen?

heißt das Zauberwort. Unter den Verbrennen ist der Diesel mit über 40% da schon das effizienteste. Vernünftige Abgasanlagen eingebaut und er kann als Zwischenlösung dienen
Und die KreuzfahrtSchiffe demonstrieren die inkonsequente Haltung der Politik.
Klimapäckchen propagieren, aber Terminals in HH und HRO subventionieren. Und dann noch Billigflaggen zulassen.

Vergessen sie nicht, dass Deutschland in Besitz der größten Containerschiffsflotte ist und auch bei den Tankern sind wir auf Platz 2 oder 3. Wieso nicht mal in alle Schiffe verpflichtend entsprechende Abgastechnik einbauen!? Kostet ca 500000 € pro Schiff und spart mehr Treibhausgase als alle Autos auf dieser Welt zusammen.
Aber dann würde man ja die Dividende seiner Freunde, Parteikollegen und Sponsoren schmälern und kann auch nicht mehr seine eigene Bevölkerung demobilisieren.